Die Architektur der Konzentrations- und Vernichtungslager
Dr. Annika Wienert
Übung, 21. April 2021 bis 14. Juli 2021, mittwochs, 14–16 Uhr
Wenn von den Architekten des Holocaust die Rede ist, handelt es sich zumeist um eine metaphorische Verwendung der Berufsbezeichnung. Nichtsdestotrotz spielten sowohl professionelle Architekten als vor allem auch Architektur selbst eine zentrale Rolle im nationalsozialistischen Mordprogramm. Am deutlichsten ist dies im Fall der Gaskammern: hier wurde Architektur selbst zum Tötungsinstrument. Die Gaskammern waren Teil der baulichen Infrastruktur der Konzentrations- und Vernichtungslager. Dass die Lagerbauten überhaupt als Architektur zu bezeichnen sind, setzt voraus, sich von einem normativ-positiven und künstlerisch-ambitionierten Verständnis von Architektur zu lösen.
In dieser Übung beschäftigen wir uns mit Geschichte und Nachgeschichte der Lager aus der Perspektive eines solchermaßen erweiterten Architekturbegriffs. Zunächst werden Entstehung, Veränderung, Nutzung und Wirkweise der Lagerarchitektur und ihrem Rückbau thematisiert. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Frage danach, welche Rolle die Architektur für die Erinnerung und die visuelle Repräsentation der Lager spielt. Einbezogen werden dabei unterschiedliche mediale Formen wie Fotografien, Karten, Denkmalsetzungen und Gedenkstättengestaltungen, filmische Zugänge und Werke der bildenden Kunst.
Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 25 begrenzt. Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2021 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/10897915920/CourseNode/93668888136022 Eine Warteliste ist eingerichtet.
Einführende Literatur: Alexandra Klei: D er erinnerte Ort: Geschichte durch Architektur. Zur baulichen und gestalterischen Repräsentation der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bielefeld 2011; Adina Seeger: „Fritz Ertl – Bauhausschüler und Baumeister im KZ Auschwitz-Birkenau“, in: Philipp Oswalt (Hrsg.), Hannes Meyers neue Bauhauslehre – Von Dessau nach Mexiko, Basel et al. 2019, S. 497–506; Annika Wienert: Das Lager vorstellen. Die Architektur der nationalsozialistischen Vernichtungslager, 3., überarb. Aufl. Berlin 2018.