Systemische Beratung und Therapie

Sommersemester 2021 Systemische Beratung und Therapie

Systemische Therapie ist zunächst einmal ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren, das in unterschiedlichen Settings als Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie praktiziert wird und 2019 Anerkennung als sogenanntes Richtlinienverfahren fand. Damit ist ein Forschungs- und Anwendungskontext, also im weitesten Sinn das Gesundheitswesen, bezeichnet.

Was ist spezifisch für diesen Ansatz? Was könnte daran für andere Praxisbereiche interessant sein? Eine erste knappe Antwort: Systemische Methoden zielen somit in besonderer Weise darauf, Instabilität zu ermöglichen: Festgefahrene Denk-, Erwartungs- und Verhaltensroutinen, starre Kommunikationsmuster, die ein Problem stabilisieren, sollen verstört werden. Das gilt für Beratung und Therapie mit Einzelnen, Paaren und Familien, fürs Coaching von Führungskräften oder Arbeitsgruppen, für die Supervision oder Organisationsberatung mit Teams, für Mediation in Konfliktkonstellationen divergierender Interessen, in prinzipiell ähnlicher Weise.

Zentrale Fragen sind dabei, z.B.:  Wie erzeugen Menschen in sozialen Systemen via Kommunikation gemeinsam eine Wirklichkeit? Welche Prämissen liegen ihrem Denken und Erleben zugrunde? Welche Möglichkeiten gibt es, diese Prämissen kritisch zu hinterfragen und praktisch zu verändern? Wie lassen sich Möglichkeitsräume erweitern und Handlungsoptionen vervielfältigen? Letztendlich neue Freiheitsspielräume gewinnen?

Systemisches Denken und Handeln basiert auf interdisziplinärer Kooperation verschiedener Wissenschaftsgebiete: (Neuro)Biologie, Chaos- und Komplexitätsforschung, Konstruktivismus bzw. Konstruktionismus, Linguistik, Kommunikationsforschung, soziologische Systemtheorie, Familienforschung und -therapie. Ein verbindender Schlüsselbegriff heißt: Selbstorganisation. Ursprünglich naturwissenschaftlicher Herkunft, fand er zunehmend und folgenreich im systemsoziologischen Denken Anwendung.

Wie schon angeklungen lautet eine übergreifende Grundüberzeugung: „Wirklichkeit“ wird als soziale Konstruktion angesehen, als eine Art der „Einigung“ eines sozialen Systems auf bestimmte Weisen der Beschreibung der Welt, nicht als etwas, das objektiv und ein für alle Mal Gültigkeit besitzt.

Systemische Denk- und Arbeitsweisen sind in eine ganze Reihe von Praxisfeldern eingegangen. Also weit über das Gesundheitswesen als Ursprungskontext hinaus.  Pädagogik und Schule, Jugendhilfe, Erziehungsberatung, Gesundheitsberatung oder betriebliche Managementarbeit sind Beispiele dafür.

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