Glaube, Reform und Dialog: Die Ahmadiyya im Spannungsfeld interreligiöser Debatten
nde des 19. Jahrhunderts erlebte die islamische Welt das Aufkommen mehrerer Reformbewegungen. Eine der prägendsten dieser Bewegungen war die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die 1889 von Mirza Ghulam Ahmad (1835–1908) in Nordindien gegründet wurde. Durch seinen messianischen Anspruch beeinflusste Mirza Ghulam Ahmad nicht nur den innerislamischen Diskurs nachhaltig, sondern setzte von Beginn an auf einen transnationalen Ansatz. In der religiös pluralen Landschaft Britisch-Indiens, in der hinduistische Erweckungsbewegungen, christliche Missionare und muslimische Reformer miteinander konkurrierten, entwickelten sich intensive interreligiöse Debatten, deren Relevanz bis in die Gegenwart anhält. Heute ist die Ahmadiyya weltweit etabliert und gehört mit fast 100 Jahren Präsenz zu den ältesten muslimischen Gemeinschaften in Deutschland. 2013 wurde ihr als erster muslimischer Verband in Deutschland der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Das Seminar bietet einen Überblick über die ideengeschichtliche Verortung der Ahmadiyya innerhalb des Islams und beleuchtet die interreligiösen Debatten zu ihren theologischen Positionen.