Die Welt im Kasten. Guckkastenbilder als populäre Medien des 18. und 19. Jahrhunderts
Do. 10:00 bis 13:00 - IG 457 (ca vierzehntägig, bitte Einzeltermine beachten)
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Guckkästen waren in der Regel aus Holz gefertigte Kästen, die mit einem oder mehreren Löchern versehen waren, durch die Betrachtende dreidimensional erscheinende Bilder – im Französischen auch vues d’optique genannt — ansehen konnten. Die Illusion von Tiefe wurde zum einen durch eine perspektivische Darstellungsweise, mittels Linsen und Spiegeln sowie durch hinter den Bildern befindliche Lichtquellen (Kerzen) erzielt. Themen der Bilder – zumeist kolorierte Kupferstiche oder Radierungen – waren fremde Städte und Länder, historische Ereignisse wie berühmte Schlachten oder auch Naturkatastrophen. Betrieben wurden die Guckkästen oft von wandernden Schaustellern, nicht selten Savoyarden, die die wechselnden Bilder mit Erläuterungen begleiteten und gegen einen Obolus auf Jahrmärkten zur Aufführung brachten. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die wechselnden Einzelbilder zuweilen auch durch Bildstreifen ersetzt. Gedruckt wurden die für die Guckkästen gefertigten Bilder vor allem in Paris, London, Bassano del Grappa in Norditalien und in Augsburg. Heute sind Guckkastenbilder in vielen öffentlichen Sammlungen bewahrt, darunter auch Frankfurter Museen wie dem Romantikmuseum oder dem Historischen Museum.
In der Sekundärliteratur oder in Museen wie dem Frankfurter Filmmuseum wird dem Guckkasten und den entsprechenden Vorführungen der Bilder oft nur ein kurzer Platz in der Geschichte populärer Medien, insbesondere als Vorläufer von Film und Fernsehen eingeräumt. Wir interessieren uns dagegen stärker für Nachfahren wie faltbare Miniguckkästen, wie sie bereits seit dem neunzehnten Jahrhundert als Reisesouvenirs beliebt waren, in den Klickfernsehern oder den mit kleinen Diapositiven bestückten Viewmastern der 1970er Jahre oder nostalgischen Neuauflagen weiterleben. Zugleich wird die Übung den Guckkasten spezifischer in der Kultur des achtzehnten Jahrhunderts verorten und fragen, wie mit und vor allem anhand des Guckkastens drängende und heute wieder aktuelle Fragen der Aufklärung – etwa die nach Wahrheit, Illusion und vertrauenswürdigen Medien — verhandelt wurde.
Ziel der Übung ist es sich das Thema zu erarbeiten und gemeinsam eine Ausstellung für das Schopenhauer Studio der Universitätsbibliothek zu entwickeln. Wichtigster Ausgangspunkt und Gegenstand der Ausstellung ist die Sammlung an ca 60 Guckkastenbildern des 18. Jahrhunderts aus der UB:
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/drucke/nav/classification/8919990?max=100
Die Sammlung der UB zeigt fast das gesamte Spektrum an Themen, die typischerweise in diesem Genre verhandelt wurden: fremde Städte und Paläste von Versailles über Konstantinopel nach China oder historische Ereignisse.
Zur Orientierung schauen Sie sich bitte vorab den im Sommersemester 2025 mit Studierenden erstellten Blog an:
https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/guckkastenbilder/